BRF-Geschichte

2015 feierte der kleinste öffentlich-rechtliche Sender Europas sein 70-jähriges Bestehen. 2020 steht das 75-jährige Jubiläum an. Einige Eckdaten seit 1945.

Der BRF feierte seinen 70. Geburtstag am 14. Oktober 2015 mit einer Open Space-Veranstaltung „Welchen BRF wünschen Sie sich?“ Statt zu einer klassischen akademischen Geburtstagsfeier hatte der BRF Hörer und Vertreter aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zu einer offenen Diskussion eingeladen.

Rund 100 Gäste waren bei der Open Space-Veranstaltung dabei, die vom erfahrenen Rundfunkmoderator Patrick Lynen geleitet wurde. Für BRF-Direktor Toni Wimmer war dieses Diskussionsforum sehr erfolgreich: „Es waren viele Anregungen und Wünsche dabei. Es ist auch klar geworden, dass wir als Identitätsfaktor der Deutschsprachigen Gemeinschaft verstanden werden und im Grunde Belgien in deutscher Sprache erklären. Das werden wir auch beibehalten. Die Wunschliste ging jetzt insbesondere in Richtung mehr Flexibilität, mehr Meinung und mehr Angebot an Standpunkten und Hintergrund.“

Hörfunksendungen in deutscher Sprache gehen auf den 1. Oktober 1945 zurück, als ELA (Emissions en Langue Allemande) mit Irene Janetzky – zu deren Andenken 2014 eine Gedenktafel an ihrer Wirkungsstätte angebracht worden ist (siehe Foto) – aus dem Funkhaus Place Flagey in Brüssel startete. 1964 wurde daraus der Belgische Hör- und Fernsehfunk (BHF).

1977 erfolgte die Umbenennung in BRF (Belgisches Rundfunk- und Fernsehzentrum für deutschsprachige Sendungen). 1979 zog die Redaktion von Brüssel nach Eupen um, 1995 wurde das Funkhaus am Eupener Kehrweg eingeweiht. Mit zunehmender Institutionalisierung ging der Programmausbau einher: 1983 wurde das Ganztagsprogramm eingeführt und das Studio St. Vith gegründet. 1993 beginnt  der BRF mit wöchentlichen TV-Sendungen, ab 1999 gibt es ein tägliches Fernsehmagazin. 2012 wird das Fernsehangebot durch Beiträge von Via Euregio erweitert.

Im Jahr 2001 werden die Hörfunkwellen BRF1 (Pop, Rock) und BRF2 (Schlager, Volksmusik) getrennt und das gemeinsame Programm Deutschlandfunk-BRF in Brüssel auf der UKW-Frequenz 95,2 MHz geschaffen. 2004 erfolgt die Einrichtung der Online-Redaktion. Zehn Jahre später heißt es im BRF „Internet first“: Bewegtbilder und soziale Netzwerke sind zur täglichen Priorität geworden.

2014 lagen die Ausgaben im jährlichen Haushalt bei knapp 6 Millionen Euro; 5,3 Millionen davon stammen aus der Dotation der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die übrige Summe erwirtschaften der BRF-Exklusivvermarkter MediaConcept und der BRF selbst.

Im Juni 2015 erfolgte ein umfassender Relaunch der Webseite und des Erscheinungsbildes. Ein Jahr danach belegte die Google Analytics Websitestatistik, dass der Relaunch als erfolgreich bezeichnet werden konnte: insgesamt 2,5 Millionen Besuche auf brf.be, also ein Plus von 27,41 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Besucher war mit 200.000 zusätzlichen Besuchern auf 786.000 gestiegen, dies bedeutete eine Steigerung von 34,69 Prozent. Die Zahl der Seitenaufrufe stieg auf 6,4 Millionen, dies entsprach einem Zuwachs von 10,51 Prozent.

Ein Viertel der Zugriffe auf brf.be nach dem Relaunch wurden von einem Smartphone durchgeführt. Im Jahr davor waren es nur knapp 16 Prozent.  Dies bedeutet eine Steigerung von über 94 Prozent. Diese positive Entwicklung kann u.a. dem nutzerorientierten Responsive Webdesign zugeschrieben werden.

2016 stand ganz im Zeichen der umfangreichen Umstrukturierung, die auf Organisationsanalysen von Capgemini und SwissMediaPartners basierte. Vom Programm über die Entscheidungsstrukturen und die Arbeitsabläufe bis hin zu Technik gab es eine Vielzahl von Maßnahmen, die eingeleitet wurden. Im Januar wurde ein TV-Konzept verabschiedet, im April die Musikrotation erneuert, im November die neue Musiksendung BPM eingeführt. Ein besonderes Ereignis war der Besuch der First Ladies – Königin Mathilde, die Erbprinzession Sophie von und zu Liechtenstein, Daniela Schadt aus der BRD, und Katharina Schneider-Ammann aus der Schweiz – im Rahmen des informellen Gipfeltreffens deutschsprachiger Staaten im September.

Für 2017 sprach BRF-Direktor Toni Wimmer von der Dynamik des Wandels, die auch die Medienlandschaft in Ostbelgien verändert. Dabei stand auch für den BRF Qualitätsjournalismus im Vordergrund. Es erfolgte ab August eine Aufwertung des BRF1-Hörfunkprogramms durch die Einstellung eines Frühredakteurs. Der zentrale Redaktionsraum wurde vergrößert. Im Fernsehbereich wurde die Einrichtung eines neues Studios mit der Erneuerung der TV-Endregie in Angriff genommen. Die Hörer, Zuschauer und Leser der BRF-Produkte honorierten die sorgsamen Produktoptimierungen. Die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa bescheinigte dem BRF in der Umfrage im März weiterhin die unangefochtene Marktführerschaft in Ostbelgien und einen weiteren Zuwachs der Zuhörerschaft. Die Tagesreichweite von BRF1 lag bei 32 Prozent und von BRF2 bei 21 Prozent. 91 Prozent der Befragten bewerteten die Berichterstattung als ausgewogen. 71 Prozent empfanden das Musikprogramm nach der Umstellung gut und sehr gut.

2018 bringt mit den ersten Pensionierungen den Einstieg in einen umfassenden Personal- und Generationswechsel. Die forsa-Umfrage vom März hat bescheinigt, dass 86 Prozent der Besucher großes bis sehr großes Vertrauen in die Informationen von brf.be haben. Das ist der höchste Wert in der deutschsprachigen Medienlandschaft Ostbelgiens. Ab September kommt die Fernsehsendung aus dem neuen Studio. Statuten und Stellenplan sollen den Erfordernissen der dynamischen Medienentwickung angepasst werden. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt.