Seit 25 Jahren gestalten der Belgische Rundfunk und der Deutschlandfunk gemeinsam ein deutschsprachiges Hörfunkprogramm für die europäische Hauptstadt. Dieses Jubiläum feierten beide Sender am 8. September mit rund 200 Gästen im neuen RTBF-Funkhaus Media Square in Brüssel.
BRF-Direktor Alain Kniebs und Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue begrüßten die Gäste. Beide würdigten die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Sendern sowie die Bedeutung eines unabhängigen, grenzüberschreitenden Journalismus.
Höhepunkt des Abends war die Live-Aufzeichnung des Deutschlandfunk-Podcasts „Der Rest ist Geschichte“. Unter dem Titel „Deutschland und Belgien – Das Wunder der Versöhnung“ sprach Podcast-Host Anh Tran mit dem Historiker Christoph Brüll über die wechselvolle Geschichte der beiden Nachbarländer. Brüll forscht seit vielen Jahren zur belgischen, deutschen und ostbelgischen Zeitgeschichte.
Im Podcast erinnerte er zunächst an den deutschen Überfall auf das neutrale Belgien im Ersten Weltkrieg. Die Gewalt der Besatzung und die Zerstörungen hinterließen tiefe Wunden in der belgischen Gesellschaft. Auch die Zwischenkriegszeit war von Spannungen geprägt – insbesondere in Ostbelgien. Mit dem erneuten deutschen Überfall am 10. Mai 1940, der nationalsozialistischen Besatzung und der Annexion der ostbelgischen Gebiete verschärften sich diese Konflikte. Nach der Befreiung blieben zahlreiche politische, gesellschaftliche und persönliche Fragen ungeklärt.
Pragmatische Belgier
Umso bemerkenswerter war die rasche Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg. Belgien setzte aus politischem und wirtschaftlichem Pragmatismus früh auf eine Normalisierung der Beziehungen zur jungen Bundesrepublik Deutschland. Beide Länder waren wichtige Handelspartner und zugleich Verbündete im westlichen Bündnis während des Kalten Kriege. Die Abkommen vom September 1956 regelten schließlich offene Grenz-, Entschädigungs- und Kulturfragen und schufen eine wichtige Grundlage für die weitere Zusammenarbeit.
In die Podcast-Aufzeichnung wurde auch BRF-Direktor Alain Kniebs einbezogen. Anhand seiner Biografie über Irene Janetzky schilderte er, wie sich die großen politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts im Leben einzelner Menschen widerspiegelten. Janetzky, die ab 1945 die deutschsprachigen Sendungen des Belgischen Rundfunks leitete, verkörperte in besonderer Weise den schwierigen Weg Ostbelgiens zwischen Krieg, Identitätssuche, Verständigung und europäischer Zusammenarbeit.
Die Partnerschaft zwischen BRF und Deutschlandfunk ist ein konkretes Ergebnis dieser Entwicklung. Seit 2001 verbindet BRF-Dlf belgische, deutsche und internationale Perspektiven zu einem Gemeinschaftsprogramm für Brüssel. Seit September 2025 ist der Sender in der Hauptstadt ausschließlich über DAB+ zu empfangen.
Austausch mit dem Hörfunkrat
Im Umfeld der Jubiläumsveranstaltung nahm BRF-Direktor Alain Kniebs auch an einer Sitzung des Hörfunkrates von Deutschlandradio in Brüssel teil.
Dabei stellte er den Belgischen Rundfunk und die unterschiedlichen Strukturen der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland und Belgien vor. Im Mittelpunkt standen die gemeinsamen journalistischen Werte, aber auch die verschiedenen Finanzierungsmodelle und institutionellen Rahmenbedingungen. Diskutiert wurde ebenfalls über den „cordon sanitaire“, die politische und mediale Brandmauer. Das komplexe und kontrovers diskutierte Thema führte zu einem lebhaften und offenen Austausch.
Beide Begegnungen machten deutlich, wie wichtig unabhängiger Journalismus, gegenseitiges Verständnis und grenzüberschreitende Zusammenarbeit gerade in politisch bewegten Zeiten sind.
Podcast und Ausstrahlung
Die Folge „Deutschland und Belgien – Das Wunder der Versöhnung“ ist ab dem 18. September 2026 im Deutschlandfunk-Podcast „Der Rest ist Geschichte“ zu hören.
BRF-Dlf strahlt die Sendung am 25. September um 19 Uhr im Brüsseler Gemeinschaftsprogramm (DAB+) aus.




